Mach deine Geschichten größer als das Leben. Larger than life. Dieser Rat findet sich in so manchem Schreibratgeber. Doch was ist eigentlich damit gemeint? Und was bedeutet es für mich als Autor? Hier meine ganz persönliche Meinung. 

Schreiben ist eine Kunst. Und Kunst ist Verdichtung. Überhöhung. Kunst ist Quintessenz. Gute Texte berühren uns. Tief.

Gute Texte sind vielschichtig, doppelbödig, vielfach wahr. Schillernd. Poliert und glänzend. Auf den Punkt gebracht. Ein guter Roman ist wie ein Labyrinth. So tief wie unsere Seele. So alt wie das Leben. Er ist größer als das Leben. Und wir kommen verändert aus ihm hervor.

Anders gesagt: Wir wollen uns in Geschichten wiederfinden. So gesehen sprechen die Bücher, die wir lesen, Bände über uns. Und noch viel mehr die Bücher, die wir schreiben. Sie sind ein Spiegel unserer selbst. Wenn auch vielleicht ein verzerrter.

Schreibend wachsen

Doch was bedeutet dies für einen Autoren auf persönlicher Ebene? Kann ich meine Geschichten überlebensgroß machen, ohne selbst zu wachsen? Kann ich die Grenzen des Denkbaren berühren, geschweige denn sprengen, wenn ich selbst in meiner kleinen, sicheren Comfort Zone verharre?

Ich habe sehr lange gebraucht, um überhaupt schreiben zu können. Um mich schreibend überhaupt denken zu können. Ich, die Autorin, war total blockiert – in meinem ganz persönlichen, sehr realen Leben. Zwischen Morgenwecker und Abendbrot. Also setzten sich auch meine Figuren nicht in Gang. Ich weigerte mich zu leben. Und meine Figuren taten es mir nach. Sie waren nachgerade an mich dran geklebt.

Blockier